Belichtungszeit in der Astrofotografie – Der Schlüssel zu Sternenlicht

In der Astrofotografie geht es darum, das Licht einzufangen, das oft Millionen Lichtjahre alt ist. Die Belichtungszeit spielt dabei eine zentrale Rolle – sie entscheidet, ob du nur ein paar helle Sterne abbildest oder die verborgene Schönheit von Milchstraße, Nebeln und Galaxien sichtbar machst.

Aber wie lange sollte man belichten – und wovon hängt das ab?


Was ist Belichtungszeit überhaupt?

Die Belichtungszeit ist die Dauer, in der Licht auf den Sensor deiner Kamera trifft. In der Astrofotografie kann das von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten (oder sogar Stunden – bei gestackten Aufnahmen) reichen.


Grundregeln für die Belichtungszeit bei Sternenaufnahmen

1. Ohne Nachführung: So lange wie möglich – aber ohne Sternspuren

Wenn du ohne motorisierte Nachführung arbeitest (also mit stativfester Kamera), begrenzt die Erdrotation die Belichtungszeit. Ab einer bestimmten Dauer werden Sterne nicht mehr punktförmig, sondern zu Strichen.

Moderne Version: Die 300er-Regel (für hochauflösende Sensoren – weniger Sternspuren).


2. Mit Nachführung: Belichten, bis das Rauschen stört

Wenn du eine Nachführung (Star Tracker) nutzt, kannst du deutlich länger belichten, weil die Kamera der Sternbewegung folgt.

Belichtungszeiten von 1 bis 5 Minuten pro Einzelbild sind dann möglich – je nach Ausrüstung, Polarjustierung und Brennweite.

Vorteile:

  • Mehr Licht = mehr Details (besonders bei Nebeln und Galaxien)
  • Bessere Signal-Rausch-Verhältnisse
    Tipp: Mehrere Bilder „stacken“, um Rauschen weiter zu reduzieren.

Belichtungszeit im Zusammenspiel mit ISO & Blende

Die Belichtungszeit ist nur ein Teil der „Belichtungs-Dreifaltigkeit“. Auch:

  • ISO: Höher = empfindlicher, aber auch mehr Rauschen
  • Blende: Offenblende (z. B. f/2.8) = mehr Licht, aber ggf. Randunschärfen

Empfohlene Startwerte (ohne Nachführung):

  • Blende: f/2.8 – f/4
  • ISO: 1600 – 3200
  • Belichtungszeit: 10–25 s (je nach Brennweite)

Wichtige Tipps zur Praxis

  • Stativ & Fernauslöser sind Pflicht – jede Erschütterung ruiniert das Bild.
  • Rauschreduzierung in der Kamera deaktivieren, wenn du viele Bilder für ein Stacking aufnimmst.
  • RAW statt JPEG – für volle Kontrolle in der Nachbearbeitung.
  • Manueller Fokus auf „∞“ (Unendlich) – idealerweise mit Live-View-Vergrößerung auf einen hellen Stern.

Fazit: Belichtungszeit ist Balance

Die richtige Belichtungszeit in der Astrofotografie hängt von deiner Ausrüstung, dem Motiv und deiner Technik ab. Ohne Nachführung heißt es: kurz und punktgenau, mit Nachführung kannst du das Maximum an Licht herausholen.

Ob Milchstraße, Sternenhimmel oder Deep Sky – wer sich mit Belichtungszeit auseinandersetzt, lernt, das Unsichtbare sichtbar zu machen.


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